Stuttgart darf sich zu Recht den Titel Autostadt geben. Benz, Maybach, Daimler, Porsche – Ingenieure, die Ende des 19. Jahrhunderts mitunter belächelt wurde und zu Wegbereitern einer Industrie wurden. Doch was waren deren Taten? Was für Ideen hatten sie? Wie entwickelten sich ihren Automarken? Das sind Fragen, die z.B. das Porsche- und das Mercedes-Museum in Stuttgart beantworten. Wir haben für Sie zwischen den Jahren beide Museen besucht und einen kritischen Blick auf Exponate und Ausstellungsdidaktik geworfen.



Porsche verfolgt seit den 80er Jahren das Konzept des rollenden Museums. Das bedeutet, dass alle Fahrzeuge im einsatzbereiten Zustand sind. Trotzdem war das Porsche Museum bis 2009, naja, nicht wirklich ein Museum, sondern eher eine kleine schlanke Halle in der sich bis dato 20 Exponate quetschten. Eher eine lustlose Aneinanderreihung von Fahrzeugen, die der Porsche-Geschichte in keinster Weise gerecht wurde.

Am 31. Januar 2009 wurde das neue Porsche Museum eröffnet. Die architektonische Gestaltung stammt vom Wiener Architektenbüro Delugan Meissl Associated Architects, welches sich im Wettbewerb gegen 170 Konkurrenten durchsetzen konnte. Das Konzept für den musealen Ausbau wurde vom Stuttgarter Büro hg merz architekten museumsgestalter entwickelt, das auch für das Mercedes-Benz-Museum verantwortlich war.
Mit dem neuen Gebäude für das Porsche Museum ist auch eine gezielte Museumsdidaktik zur Anwendung gekommen. Didaktik?? Bitte was? Was schreibt der da? Didaktik ist im engeren Sinne die Wissenschaft der Vermittlung von Wissen, des Lehrens und des Lernens. Was in der Schule und in der Universität zur Anwendung kommt, kommt genauso im Porsche-Museum zur Anwendung -  nur vieeeeeeeeel schöner. Die Museumsdidaktik kann man hier mit der Fragestellung „Warum wird gerade dieses Auto hier so präsentiert?“ wahrnehmen. Da haben sich Gestalter schon einige sinnvolle Gedanken gemacht.

Wie so ein Museumsbesuch im Porsche aussehen kann, schildere ich nun am Besuch in diesem Winter, denn meine bessere weibliche Hälfte, sprich meine Freundin, kam auf die grandiose Idee mir einen Besuch zu schenken, im vollen Wissen, dass ich ihr ohne Punkt und Komma die Porsche-Geschichte erzählen werde und sie nur einen Bruchteil davon verstehen wird, wenn ich mit Begriffen wie Le Mans, Porsche 917, Targa Florio, Gmünd-Coupe, CanAm, „Dicke Berta“ um mich werfen werde.

Zunächst betreten wir ebenerdig das Museum, Eintritt bezahlen, Jacke wegpacken und einen Blick in den Shop riskieren. Vor uns eröffnet sich eine große Glaswand hinter dem etliche Porsche stehen, u.a. auf einer Hebebühne, hinter ihm steht ein Rohrrahmen eines 917 und schräg oben steht der Porsche 956 aus dem Jahr 1983 mit dem Bellof/Bell Rennen, der Schwabe sagte auch "Rennerle", fuhren.
Porsche möchte die Besucher am „Rollenden Museum“ teilhaben lassen. Hinter der Glasscheibe befindet sich keine Schauwerkstatt, sondern in der Tat die Werkstatt des Museums. An Arbeitstagen kann man den Mechaniker und der Leitung von Klaus Bischof beim Schrauben zuschauen. Porsche bietet Liebhabern u.a. hier auch Workshops zur Restauration und Pflege ihrer Fahrzeuge an.

Sobald wir uns losreißen konnten fahren wir eine lange Rolltreppe hinauf und stoßen als erstes auf den Typ 64, der auch als Ur-Porsche gelten kann. Mit ihm beginnt die Porsche-Firmengeschichte. Der originale Typ64 existiert noch, ist jedoch im Privatbesitz und Porsche muss sich damit abfinden, dass er unverkäuflich ist. Der Nachbau ist jedoch gewissenhaft hergestellt worden von einem Schmied, der nur Methoden und Werkzeuge der 40er Jahre angewendet hat. Lobenswert ist, dass das Porsche Museum sehr offen mit seinen Exponaten umgeht und mitteilt, ob es sich um ein Nachbau handelt, ob es ein Original ist oder um welche Chassisnummer es sich handelt.

Meine Lebensgefährtin zieht es voller Begeisterung zu den Porsche 356 Modellen der 50er Jahren hin. Alle sind mit der Front in die Richtung aufgestellt, in die einen die Geschichte leitet. Einzelne Bereiche binden unsere Aufmerksamkeit, denn die Präsentation der Exponate wirft Fragen auf. Warum hängt hier ein Porsche 908 an mehreren dünnen Seilen und scheint zu schweben?

Man befindet sich in der Sonderausstellung „leicht“. Porsche setzte z.B. beim Porsche 908 glasfaserversträktes Polysterharz ein. In diesem Bereich werden auch andere Stoffe angesprochen wie Kohlefaser-Verbundstoffe vorgestellt.

Der erste Rennwagen-Ausstellungsbereich hat der Schwerpunkt Targa Florio. Die Bereiche für Rennwagen sind mit langen gerade Metallschienen eingelassen im Boden markiert. Sie sollen dem Besucher eine Rennstrecke simulieren. Medial unterstützt wird der Targa Florio Bereich, in dem die Besucher z.B. ganz nahe ran an den Porsche 908/3 gehen können, durch Filmaufnahmen. Die bewegten Bilder auf den Flachbildmonitoren und einige Schaf-Rennwagen-Anekdoten der Targa-Florio hauen meine Lebensgefährtin fast aus den Socken und ihre Eindrücke wechseln zwischen „total bescheuert“ und „genial“.

Bewegt man sich weiter im Museum, dann tauchen auf einmal eine Reihe von Exponaten auf, die nicht mehr die ursprüngliche Ausrichtung parallel der Gehrichtung haben. Unter anderem steht dort auch der Porsche Panamericana. Konträr sind die Versuchswagen angeordnet, denn es sind die Wagen, die aus der Reihe fallen und nie in Serie gingen.

Schon bald trifft man wieder auf Metallschienen im Boden und vor einem befinden sich der extrem breite Porsche 959 aus dem Le Mans Jahr 1987 und ebenso der Porsche 962. Im Museum ist eine  Hunaundieres Gerade gestaltet. Ein sorgenvoller Blick richtet sich plötzlich nach rechts. Ein Porsche 956 hängt kopfüber im Museum. Man möchte ihn am liebsten auffangen. Sowohl meiner Lebensgefährtin, als auch meiner Wenigkeit ist zunächst nicht klar, warum der Porsche auf dem Kopf hängt. Doch bei dem Wert 324 km/h macht es klick, warum Porsche den 956 so präsentiert. Es geht um die bildliche Darstellung des Ground-Effectes. Ab einer gewissen Geschwindigkeit könnte der Porsche an der Decke fahren. Auch in einer anderen Hinsicht hat es hier bei mir wieder Klick gemacht.

Das Porsche-Museum ist längst keine trockene Aneinanderreihung von wenigen der 450 in der Sammlung befindlichen Exponate, sondern eine wohl durchdachte und begründete Anordnung der Exponate, die mehr Inhalte transportiert als man denkt. Mal offen, mal weniger offen. Das Porsche Museum ist ein spannende Entdeckungsreise durch die Geschichte einer Firma, der man nachsagt, sie baue Autos die keiner braucht, aber jeder will.

In Teil 2: Werfen wir einen Blick auf das Mercedes-Museum.