Es gibt viele Namen, die fest in der deutschen Motorsportgeschichte verankert sind und die irgendwann einfach nicht mehr in den Ergebnislisten auftauchten. Was aus diesen Menschen geworden ist, wollen wir in einer Reportage-Reihe beleuchten! Den Beginn macht Bernd Benning, Meister des unvergessenen Renault-5-Pokals im Jahr 1986 und Gesamt-Sechster des 24h-Rennens 1988.

Die Karriere - ein Streifzug durch die 80er Jahre

Auf dem Tisch liegen Programmhefte von Sportwagen- und Formel-Rennen der 70er und 80er Jahre. „Das waren damals natürlich meine großen Helden“, sagt Bernd Benning und zeigt stolz die zahlreichen Unterschriften der großen Rennfahrer ihrer Zeit. Darunter auch solche von Henri Pescarolo, Jackie Stewart und Mario Andretti, um nur Einige zu nennen. „Eigentlich wollte ich ja Motorradrennen fahren, aber meine Eltern hatten was dagegen!“, beginnt der heute 45-Jährige dann seinen Weg zum Motorsport zu beschreiben. Als gerade 16-Jähriger machte er mit seiner zügigen Fahrweise auf einem Motorrad der Marke Kreidler die Straßen des Sauerlandes unsicher. Doch um seinen Sohn von dieser gefährlichen Sportart fern zu halten, handelte Papa Benning einen Deal aus: Wenn Bernd keine Motorradrennen fährt, würde er die Hälfte des ersten Autos seines Sohnes bezahlen. Dieses Versprechen fruchtete und Bernd Benning fing an, Ferienjobs zu machen. Bis zum Jahr 1981 sparte er sich so knapp 11.000 DM zusammen.

Kein Geringerer als Volker Strycek bot nach seinem Renault 5 Pokal Meistertitel 1980 sein ausgemustertes Einsatzauto im Originalzustand vom letzten Rennen in Le Castellet zum Verkauf an, das für 22.000 DM gerade noch in Bennings Budget lag und somit in seinen Besitz wechselte. Mit dem straßenzugelassenen Rennzwerg entschied sich Benning zu einem Start im Renault 5 Pokal. Mit ihm zusammen gab auch Robert Lünsmann beim 1. Lauf 1981 in Hockenheim sein Motorsport-Debüt und es entstand ein Kampf um den Titel des besten Neulings. Lünsmann behielt im Zeittraining auf Platz 9 knapp die Oberhand gegen Benning (10.). Im Rennen dann verschaltete sich Benning und überdrehte den Motor - Ausfall durch technischen Defekt!

Doch beim zweiten Rennen in Zolder sollte es noch dicker kommen: Nach einem schweren Unfall mit Überschlag hatte das für 22.000 DM gekaufte Meisterauto von 1980 nur noch Schrottwert und ging für einen nicht erwähnenswerten Betrag wieder zurück nach Bochum an Volker Strycek. „Da war Volker auch echt sauer“, erinnert sich Benning. Es sollte übrigens nicht der einzige „Schrott“ sein, den Volker Strycek von Bernd Benning gekauft hat. Auch der private Renault 5 Turbo I, den Benning in einem Verkehrsunfall nachhaltig kaltverformte, wechselte danach in den Besitz des DTM-Meisters von 1984, den dieser übrigens wieder fahrtüchtig gemacht hat und heute noch besitzt!

Aller Anfang ist schwer: Bernd Benning beim Positionskampf auf der Nordschleife 1983

Nach dem wahrlich holprigen Start in die Karriere gelangte der „junge Wilde“ Benning nach der Anschaffung eines weitaus weniger konkurrenzfähigen Autos jedoch zu der wertvollen Erkenntnis, dass man, um ein Rennen zu gewinnen, erstmal ins Ziel kommen muss. So stand dann im zweiten Jahr schon ein 10. Rang im Gesamtklassement zu Buche. In den Jahren 1983 und 1984 reichte es jeweils zum 6. Platz in der Gesamtwertung und 1984 sogar zum dritten Rang in der ONS-Wertung.

Ende 1985 hatte Benning dann zum ersten Mal bei einem Saisonfinale noch Meisterschaftschancen, weshalb er vor dem Rennen schon einige Runden auf dem zu bezwingenden Kurs von Vallelunga drehte: „Um den Motor zu schonen, sind wir dabei mit etwas weniger Ladedruck gefahren und da gab es eine Schikane, die ging voll.“ Im Rennen, mit mehr Ladedruck, ging die Kurve dann jedoch nicht mehr voll und es folgte, nach dem „Nordschleife-Fahrerlagersturz“ von Robert Lünsmann, einer der schwersten Unfälle in der Geschichte des Pokals. „Ich kann mich nur noch erinnern, wie ich in die Planke gefahren bin und als ich im Krankenhaus wieder wach wurde, sprachen alle um mich herum italienisch!“, erinnert sich Benning.

Bennings Meisterauto beim "Doppelpack" 1986

Trotz den Unfalls wurden Sponsoren auf ihn aufmerksam: Die Schraubenfabrik von Heinrich Honert jr. aus dem sauerländischen Balve verhalf Benning mit großzügiger finanzieller Unterstützung zu Top-Material für die Saison 1986, was der dann 23-Jährige im Team Goebel Sport mit 6 Siegen in 10 Rennen und dem Meistertitel sowohl in der Gesamtwertung als auch im ONS-Pokal, den er an seinem 24. Geburtstag einheimste, eindrucksvoll umzusetzen wusste!

Im selben Jahr zog es Benning dann auch zum ersten Mal zum 24h-Rennen am Nürburgring. Gemeinsam mit Teamchef Goebel wurde er auf Anhieb Siebter im Gesamtklassement mit einem BMW 325i Gruppe N.

Interview beim unvergessenen "Kalli" Hufstadt 1988

Nach dem Meistertitel 1986 fuhr Benning noch ein weiteres Jahr im Renault 5 Pokal, das er als Vizemeister abschloss. „Ich weiß selber nicht, wieso ich nach 1986 noch ein Jahr gefahren bin“, sagt Benning heute. Danach zog es ihn dann endgültig auf die Nordschleife, in der komplett absolvierten VLN-Saison 1988 war das Jahreshighlight der 6. Gesamtrang beim 24h-Rennen für das Fahrertrio Benning/Klupp/Bovensiepen, gleichbedeutend mit Platz 2 in der Gruppe A und nur knapp geschlagen vom Mercedes-Werksteam mit Cecotto/Cudini/Snobeck (Gesamt 5.)!

Gesamtrang Sechs beim 24h-Rennen 1988 auf BMW 325i Gr. A

Es folgten weitere sporadische Einsätze in der VLN bis 1990, dabei fuhr Benning im Jahr 1989 u.a. mit den Fritzsche-Zwillingen auf einem Opel Kadett GSi beim 24h-Rennen: „Normalerweise war ich es gewohnt, dass wenn überhaupt ich auf der Nordschleife 20 Sekunden schneller war als meine Teamkollegen, bei den Fritzsches war es genau umgekehrt, einfach unglaublich, diese Schnelligkeit der Beiden! Zum Ende des Rennens war es dann nicht mehr so viel Unterschied, aber es war doch ganz schön demütigend“, kann sich der Mendener auch heute noch all zu gut erinnern. Doch nachdem im Jahr 1990 alle finanziellen Ressourcen endgültig erschöpft waren, musste der talentierte Sauerländer seinen Helm mit nur 28 Jahren an den Nagel hängen.

VLN 1988: Auf dem Koch-BMW 524td fuhr Benning nur einen Start



Bernd Benning und die DTM - 3 Fragezeichen

„Ich hatte drei Chancen und andere waren eben schneller“, stellt Bernd Benning nüchtern fest, wenn er an seine drei DTM-Sichtungen zurückdenkt. Die erste war im Jahr 1986 auf dem Nürburgring, als BMW für sein Junior Team noch Fahrer für die DTM 1987 suchte. Auch damals schon schaute man bei BMW nicht nur auf die Rundenzeiten, sondern auf das Gesamtpaket des Fahrers: sein Auftreten, seine Manieren und eben in letzter Konsequenz auch seine Schnelligkeit. Während der schnelle Sauerländer mit Letzterem weniger Probleme hatte, bekam er bei einem gemeinschaftlichen Essen BMW-Sichtungshelfer Niki Lauda direkt gegenüber gesetzt, dessen Geschichten er damals interessanter fand, als sich auf die Fragen der BMW-Mitarbeiterin einzulassen, die neben ihm das besagte „Gesamtpaket“ bewertete. Die Fahrerplätze erhielten damals Eric van de Poele und Marc Hessel.

Durch guten persönlichen Kontakt zum damaligen BMW-Motorsportchef Wolfgang-Peter Flohr durfte Benning sich 1987 in Mugello ein weiteres Mal in einem BMW-Sichtungslehrgang beweisen. Die Fahrerpaarung für das BMW-Werksteam lautete 1988 jedoch Markus Oestreich und Frank Schmickler.

DTM-Sichtung am Hockenheimring 1988: Bernd Benning wird von Hans Heyer instruiert

Die dritte Chance war dann bei einer Sichtung in Hockenheim im Jahr 1988, als das AMG-Team von Hans-Werner Aufrecht noch einen Fahrer für das anstehende Rennen auf dem Norisring suchte. Benning als Norisring-Kenner fuhr, nach Instruktion von Hans Heyer, zum ersten Mal ein aktuelles DTM-Auto nach Gruppe A Reglement, konnte sich aber in nur 5 Runden nicht genügend mit dem Auto anfreunden, um schnell genug zu sein. So holte man sich seitens AMG mit Kurt Thiim einen Routinier ins Team.

Das Einkaufen in ein Privatteam in der DTM wäre die letzte Möglichkeit gewesen. „1986/87 hätte ich das mit der DTM hintereinander bekommen können, aber es fehlte letztlich Budget“, sagt der 45-Jährige, für den damals sporadische Starts in der DTM nicht in Frage gekommen seien.

Das Leben nach dem Motorsport - und bald das Comeback?

1991 stand „Alibi-Student“ Benning vor einem riesigen, vom Motorsport verursachten Schuldenberg, weshalb er im Architekturbüro des Vaters zu arbeiten anfing und in den folgenden 10 Jahren alle Verbindlichkeiten abbauen konnte. „Wenn man eine bestimmte Summe an Schulden hat, ist es beinahe egal. Ich würde aber niemals wieder diesen Weg einschlagen und möchte es wirklich auch niemandem empfehlen“, äußert ein nachdenklicher Bernd Benning. Mittlerweile leitet er mit seiner Frau Bärbel das Familienunternehmen in Menden und hat mit ihr zwei Söhne: Leon (8) und Ari (5). Jedoch bestreitet Benning sämtliche Anlehnung an einen ehemaligen finnischen Rallyefahrer bezüglich der Namensgebung seines Zweitgeborenen. Ebenfalls an seinem regen Leben beteiligt sind zwei Respekt einflößende Neufundländer, mit denen er morgens und abends spazieren geht, sowie zwei Schildkröten, die aber nicht ganz so viel Auslauf brauchen.

Weggefährten: Bernd Benning eingerahmt von Peter Berlieb (links) und Uwe Reich in Diepholz 1987

Durch das Architekturbüro, dass er getreu einer über 100-jährigen Familientradition mittlerweile von seinem Vater übernommen hat, pflegt Benning auch heute noch ein geschäftliches, wenn auch sehr freundschaftliches Verhältnis zu seinem früheren treuen Sponsor Heinrich Honert jr., der noch immer sein Schraubenwerk in Balve besitzt und erfolgreich führt.

Die Söhne von Bernd Benning, die langsam das Kartfahren für sich entdecken, haben auch ihm selbst mittlerweile den Spaß am Motorsport zurückgebracht, weshalb er seit Anfang 2007 selber regelmäßig Kart fährt und sich seit diesem Jahr auch in Kart-Langstreckenrennen übt. Ein Comeback im Rennwagen möchte der Familienvater deshalb nicht ausschließen: „Ich will einfach sehen ob ich es noch kann, und vor allem ob ich es besser kann als im Kart. Es gibt einige freie Fahrerplätze in der VLN, auf sehr interessanten Autos. Es fehlt eigentlich wie bei allem im Leben nur am Geld.“

Seit 2008 wieder im Rennoverall: Bernd Benning (rechts) fiebert wie in alten Zeiten mit

Und einen großen Traum hat Bernd Benning: Seinen bisherigen vier Starts und drei Zielankünften beim 24h-Rennen am Nürburgring noch jeweils mindestens eine/n weitere/n hinzuzufügen. Dafür und für alle weiteren Wünsche und Träume seien ihm an dieser Stelle abschließend die Daumen gedrückt!

Fotos: privat