Macht es einer der beiden Klasse-1-Mercedes-Benz?

Thorsten Stadler kommt als Tabellenführer ins Motodrom von „Hoggene“, Jörg Hatscher folgt ihm auf den Fersen.

Vorbemerkung. Bei den Tourenwagen Classics wird die Startnummer eins nicht automatisch an den amtierenden Meister vergeben. Hintergrund: Die Authentizität der Original-Fahrzeuge mit ihren Baujahrs-spezifischen Startnummer soll bewahrt werden. Somit wird die Startnummer eins allenfalls symbolisch am Jahresende an den neuen Titelgewinner vergeben, nicht jedoch der gelebten Praxis.

Foto: Björn Schüller

Wenn die Tourenwagen Classics am 7. Oktober 2017 auf dem Hockenheimring den zweiten Meister in ihrer noch jungen Geschichte ermitteln, steht eines fest: Armin Dellkamm wird seinen Titel nicht verteidigen können. Der Meister des vergangenen Jahres verunfallte bereits beim Saisonauftakt im dänischen Aarhus, den 1988 in der DTM eingesetzten BMW M3 E30 hat er seitdem nicht wieder instandsetzen können.

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So lag es an Dellkamms Markenkollegen Ralph Bahr, zu Saisonbeginn die Initiative zu ergreifen. Zur Jahresmitte wendete sich jedoch das Blatt, als Thorsten Stadler beim Saisonhöhepunkt auf dem Norisring den ersten Sieg einfuhr. Gleichzeitig setzte sich der 47-Jährige aus Hannoversch-Münden bei Kassel auch in der Punktwertung immer besser in Szene. Mit der C-Klasse von Mercedes-Benz, 1994 von der Mönchengladbacherin Ellen Lohr in der DTM-Klasse 1 in den Sponsorfarben von Mannesmann D2 präsentiert, übernahm er beim 45. AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf dem Nürburgring die Initiative. Vier Wochen später, an gleicher Stätte, schmolz sein Vorsprung in der Tabelle jedoch auf ein Mindestmaß zusammen.

Foto: Björn Schüller

Mit Jörg Hatscher rückte ihm der eigene Stallgefährte bei Intax Motorsport auf die Fersen. Hatscher, 56, und mit großer fahrerischer Routine auf der Nürburgring-Nordschleife ausgestattet, fährt eine zwei Jahre jüngere C-Klasse von Mercedes-Benz. 1996 saßen Jan Magnussen, Juan Pablo Montoya und Riccardo Zonta im weißen Warsteiner-Mercedes, der als technologisches Meisterwerk gilt und den Endstand in der Entwicklung des ITC – das steht für International Touringcar Championship, der DTM-Nachfolgeserie – darstellt. Jörg Hatscher hat mit einem Sieg beim zweiten Wertungslauf der Tourenwagen Classics 2017, ebenfalls auf dem Nürburgring ausgetragen, gezeigt, dass er sich bestens eingeschossen hat auf das Profi-Arbeitsgerät. Es basiert auf einem Gitterrohrrahmen wie einst in der Endphase der Gruppe 5 in der Deutschen Automobil-Rennsportmeisterschaft: Tourenwagensport, wie er faszinierender kaum sein könnte, am absoluten Limit.

Bei allen taktischen Erwägungen greifen diese beiden Preziosen aus der jüngeren Sportgeschichte von Mercedes-Benz in Hockenheim natürlich auch in den Kampf um den Tagessieg ein. Dem wollen der zweifache Saisonsieger Stephan Rupp (Alfa Romeo V6 ti ITC 1996) sowie Anton Werner (Audi 80 B4 Turbo Prototyp Klasse 1 1992) etwas entgegensetzen. Aber auch der zuletzt bestens aufgelegte Richard Weber mit dem 1991 im MM-Diebels-Team um Günter Murmann und Udo Wagenhäuser in der DTM eingesetzten BMW M3 E30 Sport Evolution 2.5 ist jederzeit in der Lage, auf das Siegertreppchen zu kommen. Als Tabellenvierter hat der Rosenheimer sogar noch Titelchancen. Dasselbe gilt für Volker Schneider, der den roten Ford Sierra RS Cosworth pilotiert und Spitzenfahrer wie Marc Hessel oder Sebastian Asch ins Cockpit bittet. Schneider, der früher einmal selbst mit einem Ford Mustang GT 5.0 in der DTM gestartet ist, hat sich an dritter Tabellenposition in Lauerstellung begeben. Jörg Hatscher ist sich der Verfolger in seinem Windschatten bewusst. Er orakelt: „Die Meisterschaftsentscheidung in Hockenheim ist noch lange nicht zugunsten eines unserer Mercedes-Benz gefallen. Da kann noch viel passieren!“

Insgesamt fünf Klassen kommen in der neuen Kult-Rennserie für klassische Tourenwagen zur Austragung. Auch mit einem seriennahen Gruppe-N-Fahrzeug ist es möglich, die Szene in ihrer bunten Vielfalt zu erleben und dennoch kostengünstigen Motorsport zu betreiben. Insgesamt 21 Starter haben für das Finale auf dem Hockenheimring zurzeit ihre Nennung bei den drei Serien-Organisatoren Ralph Bahr, Marc Hessel sowie Alexander Ferreira abgegeben – und ein Ende ist noch nicht abzusehen!